Princess – von hochaggressiv zu gesellschaftsfähig

Ein Praxisfall – Die Anamnese Teil 1

Dies waren die letzten Worte aus einem Erlebniskurzbericht mit Video per WhatsApp des MenschHundTeams Corinna und Princess. Corinna ist seit 2019 die engagierte Halterin von Princess – einer AmStaff/ Mastino Napoletano Mix Hündin.  Ihr großer Wunsch ist es, Princess Geschichte und den Therapieverlauf doch zu veröffentlichen, um Haltern von verhaltensoriginellen Hunden, wie Princess, Mut zu machen, dass so vieles möglich ist.

Deinen Wunsch, liebe Corinna, erfülle ich Dir natürlich gern und Dir als Leser gebe ich gleichzeitig einen Einblick in meine tägliche Arbeit als Tierpsychologin – sei gespannt.

Am 10. April 2024 erreichte mich die erste Nachricht von Corinna per WhatsApp. Sie hatte mich über Google gefunden, da sie für Ihre 4 Jahre junge AmStaff Hündin einen Verhaltenstherapeuten suchte, der insbesondere auch mit sogenannten Listenhunden arbeitet. Denn nach über einem Jahr Hundeschule zeigte Princess keinerlei Verbesserungen Ihrer Verhaltensideen. Wir vereinbarten ein kostenloses Erstgespräch per Telefon. Hier berichtete mir Corinna bereits in Kurzform von Princess langem „Leidensweg“ in Ihrer Jugend und den vielen Verhaltensideen, die Princess in Ihrem Lebenskoffer mitgebracht hat. In diesem Telefonat vereinbarten wir dann, den gemeinsamen Weg einer Therapie für Princess zu gehen. Für strukturierte Erstinformationen übersendete ich Corinna meinen Anamnese-Fragebogen und wir schauten auch gleich nach einem gemeinsamen Termin, damit ich Princess auch persönlich kennen lernen konnte.

Die Informationen aus dem Fragebogen (Anzedenzien) legten Princess traurige Jugend auf den Tisch. (Hier erwähne ich nur die ausgeprägtesten Verhaltensideen. Alle hier aufzulisten würde den Rahmen dieses BlogArtikels sprengen)

Princess wurde als Welpe bei einem Vermehrer vom Tierheim Hannover beschlagnahmt. Bei dem Vermehrer wurde Princess im Keller geboren und verlebte dort auch mit Ihren Geschwistern ihre ersten Lebenswochen, abgemagert und unter tierschutzwidrigen Bedingungen. Kaum Licht, keine sozialen Kontakte, keine sensorischen Stimulationen, keine Umwelterkundungen. Princess wurde viel zu früh von Ihrer Mutter getrennt und zeigte bereits im Geschwisterrudel im Tierheim Verhaltensauffälligkeiten.

Hier auf diesem Foto sehen wir Princess mit Ihren Geschwistern und ihrem körperlichen Zustand nach der Beschlagnahmung.

Mit 6 Monaten wurde Princess dann Corinna anvertraut. Sie lebt mit und für diese Rasse seit über 15 Jahren, die in vielen Bundesländern (nicht in Niedersachsen) als Listenhunde eingetragen sind. Corinna hatte es sich zur Aufgabe gemacht, sich insbesondere dieser besonderen Fellnasen anzunehmen und hatte sie als treue, intelligente, sportliche und liebevolle Begleiter kennen und lieben gelernt.

Bis vor einem Jahr lebte Princess bei Corinna mit dem 15 Jahre alten Pitbull gemeinsam, bevor dieser sich über die Regenbogenbrücke verabschiedete.

Princess hatte mit Corinna bereits 1,5 Jahre eine Hundeschule besucht, um ihr ganzes Paket an Verhaltensideen in den Griff zu bekommen. Hier fanden Gruppen – und Einzeltrainings statt, aber auch CoachWalks mit 20(!)Hunden gleichzeitig.

Corinna unternimmt täglich lange Spaziergänge in der „freien Natur“, um einen Ausgleich des unruhigen Lebens im Stadtrandgebiet zu ermöglichen. Auch bietet sie Princess einmal wöchentlich einen exklusiven (Princess ganz allein ohne weitere Artgenossen!) freien Auslauf auf einer großen Hundewiese mit Zugang zu einem See – Schwimmen eines ihrer großen Leidenschaften. Hier genießt Princess auch das unbeschwerte Spielen mit Corinna – Zerr- und Ballspiele, klettern und viele weitere Beschäftigungsideen.

Um Princess (und damit natürlich auch sich selbst) den Stress zu ersparen, hat Corinna die weiteren GassiZeiten neben den Nachmittagsspaziergängen in der Natur, auf sehr früh morgens oder sehr spät abends verlegt.

Auch gesundheitlich hat Princess einiges mit im Gepäck:

Auf Grund Ihrer besonderen Farbe liegt der Verdacht einer CDA(Color Dilution Aopecia) vor. Ein Gendefekt – eine Farbmutation ein Pigment-Mangel-Syndrom. Die Verhornung der Haarfolikel ist verantwortlich für vielerlei Symptome wie Haarverlust, chronische Hautentzündungen, Allergien und Augenentzündungen. Zurückzuführen u.a. auf ein geschwächtes Immunsystem.

Aufgrund Ihrer Futtermittelunverträglichkeiten bekommt Princess hypoallergenes Futter.

Nach einer Vorstellung bei Merle http://Hundepraxis – Familie Franck konnten zudem noch massive Verspannungen in LWS ,HWS und Atlas festgestellt werden. Bei weiteren Untersuchungen beim Tierarzt wurde zudem noch Arthrose im Rücken diagnostiziert.

Nach der Vorgeschichte betrachte ich mir nun näher alle Verhaltensauffälligkeiten (Behaviour) von Princess – der Grund von Corinnas Hilferuf:

Princess zeigt unterschiedliche Formen von Aggressionen gegenüber Menschen und Hunden, wobei hier die Prioritäten auf gleich – bzw. größeren Hunden liegt. Bei Menschen liegt sichtbar der Schwerpunkt auf Männer.

Bereits das Mehrfamilienhaus, direkt angrenzend an einen großen Parkplatz eines Einkaufszentrums, ist bereits bei der Ausgangstür mit hoher Erregung verbunden. Kreuzen hier Menschen oder Hunde den Weg, zeigt Princess sofort ihr stark nach vorn gerichtetes Aggressionsverhalten.

Sie zeigt Unsicherheiten gegenüber neuen Gegenständen – bellt und knurrt diese an mit allen körperlichen Ausdrücken von Unsicherheit.

Kurzvideo Angstaggression Müllsäcke

Princess zeigt ebenfalls Aggressionen gegenüber Ihrem eigenen Spiegelbild und Schatten mit starrem Blick, Maul schlecken, Walauge knurren und bellen.

Kurzvideo Schattenjagen zu Hause

 

Auch berichtet mir Corinna, dass Princess Ängste zeigt bei vielerlei Geräuschen wie Silvesterknaller im Extremen oder auch selbst, wenn lediglich die Müllabfuhr vor das Haus fährt.

Futteraggression ist eine weitere Baustelle, die Princes ja bereits im Welpenalter zeigte. Nähert sich ein anderer Hund, knurrt Princess und verteidigt.

Bei jeglichem Aggressionsverhalten ist Princess nicht mehr ansprechbar – Signale gehen ins Leere.

Das Tragen des Maulkorbes ist für Princess unangenehm/ungewohnt. Sie versucht diesen abzustreifen oder legt sich ab und erstarrt.

Die erste Begegnung mit Princess (ebenfalls Bestandteil der Anamnese) fand in einer neutralen Umgebung statt, um das Kennenlernen einander zu erleichtern, ohne „Stressobjekte“, die ein Auslösen provozieren würde. Princess näherte sich vorsichtig und angespannt, aber auch neugierig. Sie zeigte schnell wieder Entspannung nach ausführlichem ruhigen Beschnuppern und keinerlei Aggression mir gegenüber. Bei dem gemeinsamen über einstündigen Spaziergang zeigte Princess großes Interesse an der Erkundung der Umwelt, war sehr in „Ihrer Welt“ und mit sich beschäftigt. Corinna hat Princess immer mal wieder für ein Kletterspiel eingeladen, welches Princess auch freudig annahm.

Ihre Körperspannung/ Körpersprache war nur bei den gemeinsamen Aktivitäten etwas entspannter, jedoch weiterhin immer wieder aufmerksame Blicke in die direkte Umwelt. Bei Hundebegegnungen auf weite Entfernung, zeigte Princess hohe Körperspannung, lies sich aber bereits bei der ersten Sicht eines entfernten Hundes mit alleiniger positiver „vokaler Bestätigung“ des ruhigen Verhaltens umlenken. Weitere Hundebegegnungen (immer auf Entfernung!) fanden ebenfalls mit hoher Anspannung, aber abrufbar und ohne Aggression statt. Prinzess war die restliche Zeit überwiegend mit den Gerüchen der Umwelt beschäftigt und sie zeigte, wenn nicht durch ein Signal gefordert, wenig Kontakt zu Corinna.

Jetzt fragst Du dich bestimmt, warum ich mir nicht das auffällige Verhalten zeigen lasse? Warum habe ich Corinna gleich bei der ersten Hundebegegnung (selbst auf die Entfernung) eine Möglichkeit an die Hand gegeben, Princess aus der Anspannung zu holen? Und wofür ist das Treffen dann nützlich?

Mit jeder Konfrontation eines Objektes/Menschen, der ein Auslösen von Aggression nach sich zieht, erhöht erneut den Hormoncocktail von Adrenalin und Cortisol. Verhalten ist eine Abfolge von chemischen Prozessen – Carmen Niedziella

 Mit jedem Auslösen lernt Princess, dass genau diese Reaktion zum Ziel führt. Durch das aggressive Verhalten, steigt verständlicherweise auch der Adrenalinspiegel des Halters. Die Ausschüttung dieses Hormons, ist den Fellnasen möglich über unseren Körpergeruch aufzunehmen Verhalten ist ein Spiegel deines Verhaltens – Carmen Niedziella. In einer stressigen Situation kann dies, für die bereits in hoher Aufregung befindlichen Hunde, eine Bestätigung ihres Verhaltens auslösen. Und genau das gilt es mit der ersten Stunde der gemeinsamen Zusammenarbeit zu verhindern – den Hormonspiegel des Cocktails zunächst auf ein Normalmaß zu senken. Denn erst dann, ist Lernen auf beiden Seiten möglich.

Die gemeinsame Stunde für meine Anamnese ist vielmehr die Beobachtung von gegenseitiger Aktion und Reaktion des MenschHundTeams. Hier sind meist viele kleine, für den Halter häufig kaum sichtbare Signale seiner Fellnase zu sehen. Aber auch viele unbewusste Signale des Halters nehme ich auf, die das unerwünschte Verhalten des Hundes verstärken oder manchmal sogar auslösen.

Häufig haben die Halter bereits Videos, die die Verhaltensideen ihrer Fellnasen zeigen – wie auch hier im Fall von Princess.

Mit all diesen Informationen erstellte ich das Anamneseergebnis und den Therapieplan mit den ersten Schritten für Corinna und Princess.

Du möchtest erfahren, wie dieses Ergebnis aussah und wie der Therapieverlauf bis heute aussieht?

Dann folge mir hier und Du verpasst nicht den 2. Teil des Praxisfalls „Princess – von hochaggressiv zu gesellschaftsfähig“.

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